Dienstag, 11. November 2008

Überall ist Camelot!

... es war natürlich nur eine Frage der Zeit, bis ich hier einen echten Kennedy treffen würde! Die sind ja überall, wenn sie nicht gerade tot sind, findet man sie in ganz vielen Ausführungen.... alle haben viele Haare und grosse Zähne und sind Amerika wie kein anderer Mensch Amerika ist!
Und gestern war es dann soweit: ein Kennedy lächelt mich an, und zwar Maxwell Taylor Kennedy, der jüngste Sohn von Robert Kennedy, dem Bruder JFKs, der 1968 einem Attentat zum Opfer fiel. Maxwell Taylor Kennedy hat noch 8 Geschwister, auch alle mit big hair und big teeth und vor allem auch big wallets! Hier in Chicago gehört der Familie der Merchandise Mart, ein sehr grosses und sehr wertvolles Gebäude. Vor zwei Jahren machte ich eine Stadtrundfahrt und der Guide sagte, dass dieses Gebäude ca. 600 Millionen Dollars wert sei! Ich habe mir in diesen zwei Stunden nicht richtig viel gemerkt, aber das mit den 600 Millionen--- das brannte sich (wohl für immer) in mein Gedächtnis ein! Boah! 600 Millionen für ein Gebäude.. ich möchte nicht wissen, wieviele andere Gebäude dem Kennedy Clan noch gehören..... Also wir reden hier von Reichis besonderer Güte!
Ja, also Maywell Taylor Kennedy: er war drei Jahre alt als sein Vater umgebracht wurde und hat seinen Onkel JFK gar nicht erlebt, aber er hat das Kennedy-eske: diesen Charme, diese Eloquenz und die Fähigkeit, einen Raum für sich zu beanspruchen! Es ist schon sehr bemerkenswert.
Die Frage ist natürlich auch, in wieweit der Name allein Programm ist! Goethe sagte ja bekanntlich, Namen seien Schall und Rauch, aber im Falle der Kennedys hat sich der liebe Mann aus Weimar dann doch geirrt! Besonders hier in Amerika weckt dieser Name nicht nur Interesse sondern auch Sehnsucht. Keine andere Familie ist so beliebt (und bestimmt bei manchen auch so verhasst) wie diese.... Sie sind nunmal die Windsors Amerikas.
Und wenn die Kennedys in Winnetka im Buchladen zu Gast sind, dann muss man dahingehen! Und wenn man sich nur die big teeth und das big hair anschauen möchte!

Der Laden war proppenvoll! Hunderte Menschen tümmelten sich in den engen Gängen zwischen den vollen Bücherregalen.... Draussen stand die Security und drinnen trennte sich die Spreu vom Weizen: denn im Vorderaum des Ladens waren die Reichen und Schönen, die nur kamen, um sich im Glanze der Kennedys zu sonnen. Nicht nur Maxwell war gekommen, sondern auch sein grosser Bruder, der den Merchandise Mart in Chicago führt und hier in der Gegend lebt. Er hat wohl auch das Geld für den Cheese und den Wine und die Crackers springen lassen.
Uns ist keine Ausgabe zu teuer wenn das kleine Brüderchen sein neues Buch im hinteren Bereich des Ladens signiert!
Ja, die Winnetka-Gesellschaft, die immer kommt wenn es was umsonst gibt, die stand also vorne und machte Smalltalk während wir, die ECHTEN UND GUTEN UND INTELLEKTUELLEN hinten sassen und Maxwell zuhörten bei seiner Rede! Er hat ein Buch geschrieben über die USS Bunker Hill, einem grossen Kriegsschiff, das im zweiten Weltkrieg im Pazifik gegen die Japaner kämpfte....( also jetzt nicht sooooo super interessant für mich... aber immerhin.... man ist ja verheiratet und wenn der kriegsgeschichtlich- begeisterte Ehemann sich für etwas interessiert, kommt man gerne mit und unterstützt ihn! )
Die Leute im hinteren Raum waren gaaaaanz komisch.... drei alte Männer hatten sogar im 2. Weltkrieg Dienst auf der Bunker Hill geschoben und trugen Baseballkappen mit Bunker Hill Logo. Andere Leute hatten keine Zähne mehr und ausserdem gab es auch noch die unvermeidlichen Geeks, 50 jährige stark übergewichtige und zweifellos unverheiratete schwitzende Männer, die ihre Mütter (!!) mitgebracht hatten.
Ein mehr als alter Mann schlurfte in den Raum, zwar ohne Zähne, aber doch mit Anzug und gebundenem Windsor-Knoten. Er stürzte sich auf den Cheddarkäse und die Cracker und setzte sich ganz nah ans Büffet. Während Maxwells Rede verschluckte sich der alte Mann dann leider
am besagten Cracker und ich war mir sicher, dass er dies nicht überleben würde... Maxwell schaute besorgt nach hinten und fragte: Is he o.k.?
We need water! Does anybody have water????!!!!!!
Der Mann fing sich aber wieder und stammelte: I´m o.k...
Sehr gut! Dieser Kelch ist dann also an uns allen vorübergegangen... (und vor allem natürlich auch an ihm..).
Ja, Maxwell, der ewige Demokrat, wie alle seine Familienmitglieder, konnte es sich dann zum Ende hin nicht verkneifen, eine flammende 5 minütige Lobesrede auf Obama zu halten und dann wurde er immer lauter und kennedy-esker und alle Leute im hinteren Bereich begannen zu klatschen und es mag auch das ein oder anderen Tränchen geflossen sein.... während die Oberflächlichen im Vorderraum gar nichts mitbekamen, weil sie ja mit dem Small Talk und dem kostenlosen Cabernet beschäftigt waren....

Alles in allem eine sehr bizarre Geschichte..... Naja, der Ehemann hielt Maxwell sein neuerstandenes Buch unter die Nase und der jüngste Kennedysohn lächelte uns an, dankte uns für unser Kommen und kritzelte seinen Namen auf die zweite Seite.

Ich habe den ganzen Abend natürlich gedacht, wie toll es wäre, ein Gebäude für 600 Millionen Euro zu besitzen..... manche Dinge ändern sich eben nie.....