.....Lovie und ich laufen die Strasse entlang... naja, ich versuche ihn zu bewegen, doch mal etwas zu laufen, aber er findet diese Idee nicht so grossartig und setzt sich alle 3 Meter auf seinen Allerwertesten und starrt mich an...
Plötzlich sehen wir von weitem einen kleinen weissen Hund mit Besitzerin, die uns auf unserer Strassenseite entgegenkommen. Sie kommen näher und Lovie freut sich auf ein bisschen Schnupper-Action...
Die Besitzerin des weissen kleinen Fellballs lächelt mich an und wir sagen beide gleichzeitig: Hiiii, so richtig amerikanisch laaaanggezogen....
Und sie beugt sich zu Lovie und sagt: What was your dog´s name again? Und ich sage: Lovie! Und sie: Oh, yes, Lovie! Hi Lovie!!! How are you?
Und dann gehen sie und der Fellball weiter und sie sagt so im Vorübergehen Bye Lovie!!!!
Wer hat jemals gesagt, dass Hunde eine gute Möglichkeit sind, Leute kennenzulernen? Das war ja dann wohl nichts.... Die Amis (ich weiss nicht, wie die deutschen Hundebesitzer so drauf sind, denn ich hatte ja lange Zeit in Deutschland keinen Hund mehr) sind in erster Linie am Hund interessiert und nicht am Besitzer-- eine Tatsache, die mich immer wieder in totales Erstaunen versetzt!
Dieses Kommunizieren mit dem Hund über den Besitzer... das ist zu seltsam....
Man imitiert quasi eine Konversation mit einem Tier, aber da das Tier natürlich nicht sprechen kann, benutzt man den Besitzer als Übersetzer, als Medium sozusagen.
Man ist wirklich null interessiert am Besitzer....ich war ja sooo naiv! Ich dachte nämlich wirklich, dass ein Hund mir dabei helfen könnte, hier socially Fuss zu fassen und zwischenmenschliche Beziehungen zu knüpfen. Aber weit gefehlt!
Und deshalb funktioniert der Evanston Dachshund Club auch so gar nicht für mich.... denn da war es auch wieder so, dass meine Beweggründe, diesen Club ins Leben zu rufen (also Leute treffen, vielleicht sogar Freunde finden) total diametral entgegengesetzt sind zu den Intentionen derer, die den Club besucht haben: die Amis wollten nämlich ihre Dackel mit anderen Dackeln zusammenbringen und ihnen beim Spielen und Raufen zusehen. Vielleicht noch ein bisschen smalltalk mit den Besitzern machen -- aber das war es dann auch.
Und ich finde das alles so dermassen untypisch amerikanisch..... wo sind denn nur die "outgoing people"? "Oh, es ist doch bestimmt leicht, Leute in den USA kennenzulernen! Die sind doch bestimmt so viel aufgeschlossener als die Deutschen?"-- das höre ich immer wieder von wohlmeinenden aber total naiven Freunden aus der Heimat.
Nein, es ist wirklich sehr schwer! Und besonders wenn man von zuhause aus arbeitet und keine Kinder hat... dann ist es nahezu unmöglich...
Und man ist halt auch kein Ami! Gestern in meinem Women and Weights Kurs habe ich das wieder gemerkt: die Frauen nehmen diesen Kurs in erster Linie als social hour wahr, ich jedoch bin dort, um Sport zu betreiben. Ich will nicht über das neue Haus der einen Frau reden und über die Tatsache, dass der Schwiegervater der anderen Frau jetzt gerade in Paris stirbt! Mich interessiert das nicht! Und vielleicht ist DAS ja gerade die Krux an allem?
Die Frauen erzählen sich da einen Wolf während ich meine 5 Pfund Gewichte auf einem Fitnessball balancierend auf und abhebe. Und da ich mich selten an diesen Gesprächen beteilige (was soll ich auch bitte dazu sagen, dass das Haus "gorgeous" ist und der Holzfussboden nächste Woche geliefert, aber erst in 4 Wochen verlegt wird, denn der Architekt habe gesagt, der Boden müsse erstmal atmen und sich im Haus akklimatisieren?)--mal aus Desinteresse, mal aus etwaiger Schüchternheit--bin ich für diese Frauen natürlich auch nicht interessant.
Mich hat jedenfalls in diesem Kurs noch niemand irgendetwas gefragt.... woher ich komme? oder warum ich hier bin? oder was ich mache? Das Höchste der Gefühle ist ein: "How are you today?"
ts.. ts... ts....
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